frau beim orgasmus

Die verpönte Lust

Ein kleiner verstohlener Blick, ein unschuldiges Flirten an der Supermarktkasse, eine zufällige Berührung. Jeder Mensch kam im Laufe seines Lebens wohl öfters in Versuchung eines Seitensprunges. Auch wenn die wenigsten von uns so ehrlich wären, es zuzugeben, Statistiken sprechen eine klare Sprache. Demnach sind laut der repräsentativen Umfrage der General Social Survey aus den USA, 15- 25 % der Frauen und 25- 50 % der Männer bereits eine außerpartnerschaftlichen Beziehung in ihrem bisherigen Leben eingegangen.
Dies beweist, dass der uns selbst auferlegte Wunsch nach Monogamie auf das wirkliche Leben manchmal schlecht übertragbar ist. Denn das wirkliche Leben bürgt oft seine Tücken, die selten vorhersehbar sind: Unerfüllte Sexualität in der Partnerschaft, mangelnde Zuwendung des Partners oder auch einfach der Alltag, der Paare nach einer bestimmten Zeit einholt und somit die heimliche Frage auftreten kann, ob dies schon alles gewesen sei. Gerade in jungen Jahren fällt das „sich binden“ schwerer, da man instinktiv noch mehr Drang verspürt, Dinge auszuprobieren, sich vor allem sexuell weiterzuentwickeln und folglich entsteht öfters der Wunsch nach Abenteuer.
Die ersten Seitensprünge lassen dann meistens nicht lange auf sich warten.

Fremdgehen wird in unserer Gesellschaft grundsätzlich verpönt, doch warum ist das so?

Vielleicht ist es nicht der sexuelle Akt mit einer anderen Person, das dem Ganzen einen negativen Beigeschmack gibt, vielleicht ist es vielmehr der Betrug per se an seinem Partner, die mutwillige Verletzung jemandes Gefühle. Und irgendjemand ist schlussendlich für gewöhnlich immer der Leidtragende.

Betrug, egal in welcher Beziehung, sei es privat oder beruflich, wirkt immer kontraproduktiv. Das bedeutet, dass das eventuell Jahre aufgebaute Vertrauen für einen Seitensprung riskiert wird und im schlimmsten Fall wie ein Kartenhaus einbricht. Damit es gar nicht erst soweit kommt, wäre der Idealfall, sich mit seinem Partner austauschen und gegenseitig so anvertrauen zu können, dass man versucht, auf die Wünsche und Bedürfnisse des jeweils anderen einzugehen.

Doch die Realität ist schlichtweg eine andere. Als teilweise natürlicher Prozess verliert sich die anfängliche Verliebtheit von Paaren und ist man dann nicht gewillt, sich hin und wieder neu zu überraschen, verkümmert die intime Zweisamkeit fast gänzlich.

Auch aufgrund dessen wirken Seitensprünge in erster Linie spannend: Es ist neu und es verspricht Abenteuer. Abenteuer, dass im Privatsex schlimmstenfalls schon lange verloren war. Dies nimmt dem Ganzen seine Hemmschwelle und es scheint ein Leichtes, sich auf eine andere Person körperlich einzulassen.
Wer nun behauptet, dass dies verwerflich sei, dem fließt nichts Menschliches durch die Venen.

Könnten wir uns alle als das sehen, was wir nun mal sind: Fühlende, nicht immer kalkulierbare Wesen mit unterschiedlichen Bedürfnissen und hätten wir daraufhin noch den Mut, dies mit unseren Partnern zu besprechen bzw. wären wir selbst als Partner so tolerant, dies zu respektieren und gemeinsam zu versuchen, sich gegenseitig neu zu entdecken, dann wäre Fremdgehen möglicherweise gar nicht mehr reizvoller als intimer Privatsex. Dann vielleicht könnte man den Spaß des „Entdeckens“ auch in seinem Partner wiederfinden und die routinierte Sexualität neu beflügeln. Was tun bei Bindungsangst?